Dramatherapie

Der wesentliche Unterschied einer Dramatherapie von den vorigen zwei klassischeren Psychotherapieformen ist dass der Client hier nicht nur ueber seine Symptome spricht, sondern sie auch lebt. Durch Szenario-spezifische Bedingungen und theatrische Einzel- oder Group-Spiele, hat man hier die Moeglichkeit selbst mit seinem gesamten Körper in andere Körper-Rollen hineinzutreten, die entweder alternative Aspekte von sich selbst oder selbst andere Menschen vertreten, und wenn es sich um eine Gruppe geht, gibt es noch die Möglichkeit, mit ihnen zu interagieren. (Einzelne Dramatherapie wendet sich also an diejenigen, die ihr Symptom mit ihrem Koerper leben moechten, aber in dieser Phase nicht es gerne mit anderen Menschen in Interaktion bringen moechten).

Es ist also offensichtlich, dass innerhalb einer Dramatherapie jemand nicht nur durch seine Worte, sondern auch durch seinen Körper reist. Auf einen ersten Blick würde man naemlich sagen, dass diese Form der Therapie für diejenigen mehr geeignet ist, die besser in der Lage sind, durch ihren Körper zu denken, und ein starkes Bedürfnis fuer Bewegung, Praxis und kinetische und räumliche Ausdehnung haben, um ihre Besorgnisse zu bearbeiten.

Dies bedeutet nicht, dass in mehr traditionellen Psychotherapieformen man nicht Rollenspiele mit dem Therapeuten verwendet. Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Formen der Therapie ist jedoch der folgende: Der Ausgangspunkt der klassischen Psychotherapie ist dass das Verständnis geht der Bewegung und der Praxis voran, während der Ausgagngspunkt der Dramatherapie genau das Gegegnteil ist: dass die Bewegung und Praxis gehen des Vestaendnisses voran.

Im ersten Fall denken wir zuerst und dann handeln wir, im zweiten handeln wir zuerst und dadurch wird unser Denken danach geformt.

Es waere oberflächlich uns zu eilen und den einen Ansatz über den anderen zu begünstigen, wenn beide zwei verschiedene Philosophien des Lebens sind. Vielleicht ist es so, dass die klassischen Psychotherapien als zivilisiertere Psychotherapieformen betrachtet werden, und damit wird es klar, dass diejenigen, die eine Vorliebe für Formen der Psychotherapie wie Dramatherapie beherbergen, genug Weisheit selbst in den primitiveren Formen des pre-zivilisiertes Denkens und der Wahrnehmung der Dingen finden. Für eine solche Denkenweise, durch den Körper der altgreichischen Tragoedie imprägniert, hat zum Beispiel Nietzsche waehrend seines ganzen Lebens gekaempft.